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Taufe unter freiem Himmel

 

 

Auszug aus der WORMSER ZEITUNG
vom 24.07.2008

 

Wachenheimer Protestanten feiern erstmals Open-Air-Gottesdienst

Ein Keyboard stand im Pfarrgarten, dazu ein improvisierter Altar und jede Menge Stühle sowie Bierbänke, die mit Rosen- und Sonnenblumenblüten dekoriert waren - so sah am Sonntag der Wachenheimer Gottesdienst aus.

Von
Christian Hoffmann

Rund um die evangelische Kirche der Zellertalgemeinde riegelt derzeit ein Metallzaun das Gotteshaus ab. Der Grund dafür ist die Ende August startende Dachsanierung (die WZ berichtete).

Deshalb musste jetzt die Messe, die eine Taufe beinhaltete, so zu sagen an die frische Luft gehen - eine Premiere in dem Dorf. Und es dämmert die Erkenntnis: Ein herrlicher Open-Air-Gottesdienst im Grünen könnte bei warmen Temperaturen eigentlich öfter abgehalten werden.

"Hören Sie mich oder soll ich lieber das Mikrofon nehmen?", fragte Pfarrerin Almut Kunzmann die zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder. Doch es ging weitestgehend ohne Verstärker, obwohl die Pfarrerin vereinzelt gegen den leichten Windgang ansprechen musste.

Wie in der Kirche selbst blieben die Besucher im Pfarrgarten kurz andächtig stehen, bevor sie Platz nahmen. Mittelpunkt des Gottesdienstes war der neun Monate alte Julian Scherer, der nun seine Taufe erlebte. Ursprünglich hätte noch Melissa Velten getauft werden sollen, aus familiären Gründen mussten die Eltern jedoch die Taufe kurzfristig verschieben.

Organist Christopher Michel spielte auf dem Keyboard "Ich danke für diesen guten Morgen", "Geh aus mein Herz und suche Freud" und das instrumentale Bachstück "Jesu bleibet meine Freude". Der Gesang der Gemeinde erfüllte den Pfarrgarten.

Pfarrerin Almut Kunzmann verglich die Kinderseele mit einer Murmel: Wie das kleine Spielzeug sei die kindliche Seele durchsichtig. "Wenn Kinder Hunger oder Schmerz haben, zeigen sie ihr Unbehagen", erzählte Kunzmann.

Anschließend gab die Pfarrerin einen Beutel Murmeln an die vielen Kinder aus, sie ließen die Kügelchen klickernd in das Taufbecken rollen, das die Buben und Mädchen mithilfe von bunten Bechern auch mit Wasser füllten. "Gott hat euch damit beauftragt, für das Kind da zu sein", erinnerte Pfarrerin Kunzmann die Eltern von Julian, nämlich Christine und Alexander Scherer, an ihre Pflicht. Eine kleine Hand tastet sich ins Leben. Da Taufpatin Christel Schenk in Wachenheim wohnt, ließ das eigentlich in Asselheim bei Grünstadt lebende Ehepaar in der Zellertalgemeinde die Taufe ihres Sohnes vornehmen. Die Oberfläche einer Murmel bleibe nicht glatt, beim Spielen erhalte sie kleine Risse und Schrammen - eine Metapher auf das Leben, das für jeden Neuankömmling auf der Erde so manche Herausforderung bereithalte, sagte die Pfarrerin weiter.

Anschließend verköstigte Küsterin Ursula Grünewald die Gäste mit Kaffee, Kuchen, kalten Getränken und Knabberzeug. "Das gefiel mir sehr gut, mal was anderes, wenn das Wetter mitspielt", freute sich Vater Alexander Scherer über die ungewöhnliche Taufe seines Sohnes. Später ließ der 35-jährige Elektriker mit Ehefrau und Verwandten bei Mittagessen und Kaffee diesen besonderen Tag ausklingen.


Link zur Originalseite mit weiteren Informationen des Main Rheiner.