WORMSER ZEITUNG
vom 17.03.2008
von Julia Beier
WACHENHEIM Begab man sich am Wochenende auf Schatzsuche, so wurde man in Wachenheim fündig: Über 50 Künstler aus der Region hatten im Schlossgut Lüll ihre Zelte aufgeschlagen und boten dort dem kunstinteressierten Besucher ihre Werke feil.
Am Eingangstor fallen dem Besucher zunächst stilisierte Steinköpfe auf Stangen auf, die jedem Garten das gewisse Etwas verleihen. Der Blick gleitet über den Hof, vorbei an Mode aus Filz, bunten Gläsern, dem Sektstand, Kunstwerken aus Eisen und Wolle. In einer Nische entführen Dr. Karlheinz Köpfers Holzskulpturen in die Wildnis des Waldes: Gebilde, die an Hände oder Wurzeln erinnern, Schalen, in denen Gras und Pilze wachsen.
Die Kraft des Lichts nutzt Ute Seeger mit ihren "Lichtvasen". Das Besondere daran: Die Vasen bestehen aus nichtschmelzendem Wachs. Im Widerschein eines Teelichts schaffen die mit Sand und zarten Gräsern verzierten Leuchten afrikanische Atmosphäre und tauchen jeden Raum in angenehmes Licht. Genauso eindrucksvoll sind Andi Hoffmanns wächserne "Wolkenschalen", die in einer Zentrifuge entstanden sind und an watteweichen Himmel erinnern.
Eine schmale Stiege im Turm der Schlossguts führt auf den geheimnisvollen Getreidespeicher. Hier schweben die "Träumtänzerinnen" von der Decke: Die bunten Damen aus Filz begeistern nicht zuletzt durch eine kleine Rose am üppigen Hinterteil. Zwischen glitzernden Petit-Point-Taschen und farbenfrohen Cacheurs findet sich der "Draht zum Lesen", das Buchzeichen aus Perlen und Draht, sowie die bücherfreundliche Alternative zum Eselsohr in Form von kunstvoll verzierten Dreiecken aus Pappe.
Unten, in den kühlen Kellern des Guts, warten weitere Kostbarkeiten auf den Schatzsucher: Einzigartige Anhänger aus zusammengeschmolzenen Glassplittern sind Symbol für Petra Kooks "Gute-Laune-Schmuck".
Seit vier Jahren halten die professionellen Künstler dem "Kunst- und Handwerksmarkt" die Treue. "Wir haben klein angefangen, aber es ist stetig mehr geworden", so Initiatorin und Veranstalterin Michaela Kammer. Sie sei selbst auf Märkte gefahren und habe dort die Künstler ausgewählt: "Unterschiedliche Stile waren mir wichtig."
Und ist man nach der Schatzsuche im Schlossgut hungrig geworden, wird man im Nebengebäude des Schlossguts fündig. Dort verwandelt der Italiener Nicola Avantaggiato seine selbstgemachten Nudeln in gefüllte Rosenblüten und rundet das köstliche Kunstwerk mit feinen Soßen und essbaren Stiefmütterchen ab.
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